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SCHULE DER PHANTASIE

Der Kunstkreis Gräfelfing e.V. arbeitet seit Jahren mit der Schule der Phantasie zusammen, die 1990 nach dem Vorbild von Prof. Rudolf Seitz mit der ersten Kursleiterin Lilli Plodeck in Gräfelfing gegründet wurde. Die Einrichtung ist finanziell unterstützt durch die Gemeinde Gräfelfing.
Der Kunstkreis organisiert mit dem Team der Schule der Phantasie z.B. Ausstellungen und Aktionen mit den Arbeiten der Kinder. Ab dem Schuljahr 2009/ 2010 übernahm der Kunstkreis zudem Stipendien für bedürftige Kinder zur Teilnahme an einzelnen Kursen der "Offenen Werkstatt" im Bereich der Schule der Phantasie. Auch Privatpersonen können Patenschaften übernehmen. So werden die Jüngsten in der Gemeinde an die eigene Kreativität und an die Kunst herangeführt. Bitte melden Sie sich, wenn Sie an diesem Projekt teilhaben wollen.

Siehe auch www.schulederphantasie-graefelfing.de

25 JAHRE SCHULE DER PHANTASIE
25 JAHRE ZUSAMMENARBEIT MIT DEM KUNSTKREIS GRÄFELFING


DIE IDEE DER SCHULE DER PHANTASIE

Recherche und Interview Beate v. Starck
Rudolf Seitz ist der Begründer der Schule der Phantasie
Kurzbiographie:

1934 in München geboren

1954 nach dem Abitur Studium an der Akademie für Bildende Künste München, Malerei, Grafik, Keramik. Außerdem studierte er an der LMU (Ludwig Maximilian Universität) die Fächer Philosophie, Pädagogik, Theologie und Psychologie

1958 erstes Saatsexamen für Kunsterziehung an Höheren Schulen

1960 zweites Staatexamen

1960 - 66 als Kunsterzieher am Gymnasium tätig

1966 - 74 Dozent an der Pädagogischen Hochschule, später war er an der LMU Leiter des Lehrstuhls für Kunsterziehung und Kunstpflege

1982 -88 Präsident der Akademie der Bildenden Künste, München

2001 ist Rudolf Seitz im Alter von 67 Jahren nach einem schöpferischen Leben gestorben


Rudolf Seitz betrieb langjährige Forschungsstudien im Bereich der ästhetischen Elementarerziehung. Er veröffentlichte zu diesem Thema zahlreiche Bücher (einen Überblick erhält man im Internet bei Amazon) und gründete 1981 die “Schule der Phantasie“ in München, für Kinder von 5-10 Jahren.

Als Präsident der Münchner Kunstakademie richtete er dort eine „Kinderwerkstatt“ ein. Dort konnten seine Studenten mit Kindern künstlerisch arbeiten und sich als zukünftige Kunsterzieher erproben. Daraus entwickelte sich 1981 die „Schule der Phantasie“ in München, als Ergänzung zu schulischem Angebot in Bayern. Inzwischen gibt es in ganz Bayern verschiedene Zweige der „Schule der Phantasie“, so auch in Gräfelfing seit 1990. Die verschiedenen Gemeinden finanzieren die künstlerischen Kurse dieser Einrichtung, so dass jedes Kind daran teilnehmen kann.

Das Anliegen von Rudolf Seitz war es, dass Phantasie und Kreativität, die jeder Mensch mitbringt, eine Fähigkeit, die nur der Mensch besitzt, nicht im Erwachsenenalter erlernt, sondern im Kindesalter erhalten und gefördert werden sollten.

Zu wenig Kunstunterricht an den Schulen, die Medienüberflutung, Computerspiele und Zeitdruck durch Schule und Nachmittagsprogramme können die angeborene Phantasie unterdrücken und das kreative Spiel und Tun bei Kindern lähmen.
Schon Friedrich Schiller hat erkannt: „Der Mensch ist nur ganz Mensch, solange er spielt.“ (Ästhetische Briefe).

Heute sind leider oft Schule, Beruf und das alltägliche Leben überfrachtet mit reiner Wissensvermittlung und auf der anderen Seite finden wir in vielen Bereichen emotionale Verarmung und Verkümmerung der kreativen Fähigkeiten.
Joseph Beuys ist bekannt durch seine Äußerung: “Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Damit meinte er, jeder Mensch ist kreativ (Kreator), nur ist diese Kreativität meist zugunsten der Rationalität verschüttet. „Das Kapital des Menschen ist nicht das Geld, sondern seine Kreativität.“ Und die ist nicht nur für Künstler wichtig, sondern für jeden Menschen, in jedem Beruf und in den verschiedensten Lebenssituationen.
Rudolf Seitz sagt dazu: „Kreative Menschen sind flexibel, sie finden sich auch in ungewöhnlichen Situationen zurecht. Sie sind grundsätzlich bereit, neue Gegebenheiten mit einzubeziehen.“ Diese Fähigkeiten sind gefragt in unserer heutigen Welt. Entdecken, erleben, Ideen haben, Zeit finden diese Ideen umzusetzen, sich selbst entdecken durch kreatives Tun, mit den verschiedensten Materialien und Techniken etwas Neues entstehen zu lassen – das ist auch der Ansatz der Schule der Phantasie in Gräfelfing, gegründet 1990. Lilli Plodeck war erste Kursleiterin, ich befragte Sie dazu:


Beate von Starck: Die Schule der Phantasie ist heute – nach bald 20 Jahren, eine feste, nicht wegdenkbare Institution in unserer Gemeinde. Kannst Du berichten, Lilli, wodurch du das Projekt der Schule der Phantasie kennen gelernt hast?

Lilli Plodeck: Hier in Gräfelfing war ich von Anfang an dabei. In meinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste konnte ich bei Rudi Seitz an mehreren Projekten, der Kindermalwerkstatt und einem Buch über Maske mitarbeiten. Gegen Ende meines Studiums der freien Malerei bei Rudi Tröger und der Kunsterziehung war ich ein Jahr im Gründungsteam der Schule der Phantasie München tätig, so dass mir Rudi Seitz nach meiner Rückkehr aus Berlin, wo ich das 2. Staatsexamen machte, anbot in sein Münchner Team zu kommen, in dem ich mehrere Jahre erste Kurserfahrungen sammelte.

Beate von Starck: Wie kam die Schule der Phantasie nach Gräfelfing?

Lilli Plodeck: Initiiert durch die damalige SPD - Gemeinderätin Irene Lang begeisterte und überzeugte Rudi Seitz den Gemeinderat durch einen Vortrag über sein Projekt. Da ich damals schon seit einigen Jahren in Gräfelfing lebte, war es mir ein großes Anliegen, die Schule der Phantasie hier aufzubauen. Die Gemeinde finanzierte zunächst zwei Kurse für die 1. und 2.Klassen der Grundschule für ein Jahr. Nach großem Interesse bei Kindern und Eltern wurden die Kurse auf die 3. und 4. Klassen ausgeweitet. Zu Beginn wurden alle Kosten von der Gemeinde getragen, die Eltern beteiligten sich nur mit einem geringen Materialkostenbeitrag von 20 DM/Halbjahr, so dass der Kursbesuch für jedes Kind möglich war. Inzwischen tragen die Eltern einen Teil der Kosten selbst: 30 Euro Kursbeitrag und 20 Euro Material/Halbjahr.

Beate von Starck: Hattet ihr von Beginn an eigene Räume, so wie heute?

Lilli Plodeck: Davon konnten wir nur träumen. Zu Anfang waren wir in den Handarbeitsräumen der Grundschule Lochham zu Gast. Man kann sich ja gut vorstellen, wie schwierig es war, diese Räume erst mit Farbe, Material und Phantasie zu füllen, und anschließend alle Spuren jede Woche wieder vollkommen zu beseitigen. Nach einem zweijährigen Modellversuch wurden die Kurse mit 90 Kindern bereits zum festen Bestandteil des Gemeindeangebotes, so wie es heute noch ist. Sehr unterstützt wurden wir vor allem von Bürgermeister Reichert und den damaligen Gemeinderäten Erika Banaschewski, Josef Schmid und Wolfgang Warner.

Beate von Starck: Inzwischen besuchen seit Jahren über 100 Kinder jede Woche die Kurse. Ab wann wart Ihr ein Team von Kollegen, mit eigenen Räumen und mehreren Kursen?

Lilli Plodeck: Die folgenden Jahre gab es ein wechselndes Team von Kursleitern. Nach einigen Jahren erhielten wir von der Gemeinde unsere ersten eigenen Räume im Keller der Grundschule Gräfelfing. Seit ca. 10 Jahren sind Sylvia Endres, Julia Spengler und ich ein festes, gut eingespieltes Team, das gemeinsam die Kurse und alle zusätzlichen Aktionen wie Wochenendworkshops, Ausstellungen und Ferienprojekte plant und durchführt. Als „Frau vor Ort“ habe ich die Aufgabe, Vieles zu organisieren wie z.B. die Kurseinteilung, Elterngespräche, Pressearbeit, Materialbeschaffung, visuelle Dokumentation und den Kontakt zur Gemeinde und zum Kunstkreis zu pflegen. An dieser Stelle möchten wir Kollegen uns ganz herzlich bei Dir, liebe Beate, bedanken, die Du uns seit 14 Jahren als kompetente Fachfrau mit großem Interesse, vielen guten Ideen und Inspiration als Verbindungsglied zum Kunstkreis begleitest.

Beate von Starck: Seit vielen Jahren arbeitet die Schule der Phantasie mit dem Kunstkreis zusammen; es fanden immer wieder gemeinsame Aktionen statt; was ist für die Zukunft geplant?

Lilli Plodeck: Zum 10jährigen und zum 15jährigen Bestehen der Schule der Phantasie gab es, organisiert vom Kunstkreis, 2000 und 2005 zwei Ausstellungen im Rathaus, die dort und in der Gemeinde großen Anklang fanden. Ebenso wie die Bemalung der S-Bahnunterführung – auf Einladung von Bürgermeister Göbel – in Zusammenhang mit der Skulpturenmeile des Kunstkreises im Sommer 2007. Es ist uns ein großes Anliegen, Kinderkunstarbeiten immer wieder im öffentlichen Raum zu zeigen, und Kinder auf diese Weise ernst zu nehmen. Außerdem haben wir über viele Jahre bei den zweijährigen Themenwochenenden des Bürgerhauses unter Frau Zeitler mitgemacht. Ich denke hier z.B. an die Zwerge und Außerirdischen 1999 auf dem Bürgerhausdach und 2007 an das Steinlabyrinth auf dem Bürgerplatz. Jüngst zeigte sich beste Zusammenarbeit mit dem Kunstkreis bei der großen, erfolgreichen Rizziausstellung. Bei der Vernissage haben die Kinder Lollipops mit Rizzimotiven verteilt. Die Kinder wurden über Wochen inspiriert und angeregt zu eigenen Werken durch Rizzibilder, die sie vor Weihnachten 2008 in einer viel beachteten Ausstellung präsentierten. Nach unserem jüngsten Umzug, provisorisch in die neue Grundschule Gräfelfing, gibt es die Vision, dass die Schule der Phantasie und der Kunstkreis eventuell eines Tages unter einem Dach Platz finden werden, was zu vielen weiteren Plänen beitragen wird.

Für die Zukunft ist unser wichtigstes Anliegen bei unserer Arbeit mit den Kindern – gerade in diesen Zeiten der Krise – den großen Wunsch von Rudi Seitz „Wir brauchen eine Kultur der Phantasie“ umzusetzen.

Beate von Starck: Lilli, ich danke Dir für das Interview.





Rudolf Seitz - Begründer der Schule der Phantasie