RÜCKSCHAU KUNSTPLATTFORM

2019
TATJANA BUSCH
"REFRAMING"
„reframing“ untersucht die Veränderungen in der durch physische Eigenschaften festgelegten Wahrnehmung des Betrachters zu seiner Umgebung in der gewohnten Realität. Durch formale Irritation werden neue Perspektiven sichtbar und erfahrbar gemacht. Das verspiegelte, intuitiv gebogene Objekt erfährt eine Neuausrichtung, indem es  gewohnte Anteile des Außenraums in seiner Sichtbarkeit neu zusammensetzt. Ansichten des Himmels verbinden sich mit Muster auf dem Boden, die Wiese vermischt sich mit verzerrten Eindrücken der rechtwinkeligen Architektur, Gerades wird geschwungen, Festes beginnt formal zu fließen, mit jedem Moment wechselt der Eindruck in unterschiedlichem Licht und lässt Neues entstehen.

Die blaue Objektseite richtet den Fokus des Betrachters auf die Wahrnehmung der Dichte des Materials und die abgeschlossene Form eines konkreten Objektes, während die verspiegelte Seite des gleichen Objektes den Betrachter in einen veränderten Raum führt, der irritiert und seine Wahrnehmung in einen offenen Focus entführt, wo sich das reale Objekt durch Reflexion der Umgebung in seiner Form mehr und mehr auflöst. Tatjana Busch zeigte ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen, darunter 2017 im Palazzo Bembo im Rahmen der Biennale von Venedig. 2007erhielt sie den Haus-der-Kunst-Preis und ist neben zahlreichen Privatsammlungen u.a. in den Sammlungen Sal. Oppenheim/Deutsche Bank und Collection J.H. Simons Foundation, New York, vertreten.

2018
ULRICH SCHWEIGER
"CHARACTERS OF EVOLUTION"

Ulrich Schweigers 35 kg schwere Eisen-Skulptur aus der Serie „characters of evolution“ zeigt eine Art Freiheitstanz. Sie ist aus der Bewegung heraus entstanden, in einem festgehaltenen Augenblick. Die Einzelanfertigung ist pulverbeschichtet und leuchtet in einem kräftigen Magenta. Der Bildhauer arbeitet in Kleinserien, dabei übernimmt er die Erstellung jeder Figur selbst.

Ulrich Schweiger entwickelt seine Figuren zunächst spielerisch auf Papier, um sie dann in einer größeren Dimension in flachem Metall auszuführen. Die fließende Form der Silhouette trägt zu einer fast schwebenden Leichtigkeit bei, die nahezu alle Raumgestalten des Künstlers aufweisen. Dabei werden Geschlecht oder Körpervolumen zweitrangig, der Focus liegt eindeutig auf dem Ausdruck der freien Bewegung. Daher sind die Figuren gut wieder erkennbar.

Der 1970 in München geborene Ulrich Schweiger studierte Philosophie und ließ sich dann in Garmisch-Partenkirchen zum Holzbildhauer ausbilden. Er lebt in Gauting und arbeitet seit fast 20 Jahren in der Ateliergemeinschaft Reismühle.

2018
ELKE GROEBLER
"ICH HÖRE DIR ZU"

Die Stahlplastik der Gautinger Künstlerin Elke Groebler „Ich höre Dir zu“ steht für ein Miteinander, aber auch ein Füreinander.Zwei annähernd gleich hohe Stelen in Lebensgröße wenden sich einander zu. Die Künstlerin erreicht diese zarte Geste durch einen gezielten Eingriff: Sie rückt die fast würfelförmigen Köpfe aus ihrer Achse und kippt sie leicht an. Damit entlockt sie den kompakten, auf das Wesentliche reduzierten Formen ihren starken Ausdruck und ermöglicht die Haltung des Zuhörens. Die halbrunde Öffnung im rechten Kubus ist nicht nur ein spannungsvolles Gegenstück zur durchwegs kantigen Gestalt, sondern kann auch als sprechender Mund gedeutet werden. So verdichtet die Künstlerin ein menschliches Anliegen in kompakten, abstrahierten Formen, die aber dennoch unmittelbar verständlich sind. Dies ist ihr wichtig, denn sie sagt selbst „ ich möchte etwas schaffen, was die Menschen bewegt“. So kann der lebendige und zugewandte Dialog in Gräfelfing beginnen…

Skulpturen von Elke Groebler stehen in Deutschland, Luxemburg, Warschau und Washington.

2017
ANINA STOLZ
"GESAMTSITUAKTION"
Die große Buchstabengruppe „GESAMTSITUAKTION“ ist ein Wortspiel, das die einzelnen Wörter „gesamt“, „Situation“ und „Aktion“ enthält. Die Künstlerin unterstreicht damit die Doppelbödigkeit der Bedeutungsausrichtung eines Wortes. Mit der Veränderung des bestehenden Begriffes durch Hinzufügung nur eines einzigen Buchstabens (k), stellt sie das Gegebene in Frage. In dieser künstlerischen Geste steckt der Mut zur Veränderung und die Kreativität Gegebenes neu zu durchdenken und zu hinterfragen.

Den Mut zur Veränderung. Also sich den Raum zu nehmen und auszuscheren aus dem Gewohnten und Vorgegebenen und vielleicht nur etwas zu verändern oder zu verrücken, so „verrückt“ es dann manchen erscheinen mag.

2017
WALTER KUHN
"ZUSAMMENHALTEN IN GRÄFELFING"
Walter Kuhns große figurative Dreiergruppe prägte die öffentliche Kunstplattform mit halbjährigem Szenenwechsel bis Oktober 2017. Sie soll auf zwischenmenschliches Zusammenhalten hier vor Ort, zwischen den Kulturen und überall in der Welt verweisen. Die Metallskulpturen in verschiedenen Größen und Farben, die sich am Treppenaufgang fortsetzen, symbolisieren die Menschen in ihren Unterschieden. Die offene Körperhaltung der Figuren soll Gesten des verantwortungsvollen Zusammenhaltens, des solidarischen Unterstützens oder des freundschaftlichen Beschützens aufzeigen. Durch den Verkauf der Figuren wird die Flüchtlingsarbeit der interkulturellen Stiftung Kolibri (www.kolibri-stiftung.de) unterstützt. Der Künstler spendet einen Teil seines Honorars an die Organisation.

Walter Kuhn (Jahrgang 1946) arbeitete nach Studium und Promotion bis zu seiner Pensionierung als Stadtgeograf und Urbanist an der Universität München. Seit 2011 macht er als Künstler mit Ausstellungen und Aktionen im öffentlichen Raum in München und Frankreich auf sich aufmerksam.
Durch seine spektakuläre Aktion „Urbane Transhumanz“ wurde er deutschlandweit bekannt, als er auf dem Münchner Olympiaberg und anderswo ausgestellte Herden skulpturaler Schafe zu Gunsten der Flüchtlingshilfe Kolibri verkaufte. Dort, wie in Gräfelfing, arbeitet der Künstler mit dem Konzept der bewusst einfach gehaltenen, scherenschnittartigen Skulpturen und ihrer Vervielfältigung in Variationen.
2016
THIERRY BOISSEL
"NOUS"
Die Stelen des französischen Glasmalers Thierry Boissel nehmen mit Farbtexten und figürlich fotographischer Prägung aus Glas poetisch Besitz vom Raum im Aussenbereich.
Je nach Standort des Betrachters und Lichteinfall tauchen die Gestalten mal mehr oder weniger sichtbar aus dem Grund der Glasfläche auf, um sogleich wieder aus einer anderen Position heraus zu verschwinden. Hier kommt die Begegnung und Beziehung, die Kommunikation zwischen Mann und Frau je nach Standort des Betrachters individuell erkennbar zum Vorschein.
2016
DANIEL EGGLI
"BUSINESSMEN"

Der Schweizer Bildhauer Daniel Eggli (geb. 1972) arbeitet seine Figuren mit der Kettensäge aus einheimischem Mammutholz. Ecken und Kanten bleiben stehen, auf die Bemalung der Gesichter verzichtet er. Das verleiht seinen Businesspeople, die auch in Brüssel, Barcelona, Buenos Aires und vielen anderen Orten zu sehen sind, den anonymen und flüchtigen Ausdruck der Geschäftigkeit. Ihre etwas klobige Form lässt sie zugleich charmant und sympathisch erscheinen.